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Veranstaltungsreihe
Neue Wege: das Jahr 1919

Dienstag, 19. November 2019, 19:30 UHR

Topographie einer Hölle

Reportagen der Unter-Weltstädte. Fragmente von Walter Mehring

Lesung von Sven j. Olsson



Walter Mehring, einer der interessantesten und unbequemsten Autoren der 1920er- und 1930er-Jahre, war nach dem Kriege „kein vergessener, sondern ein ungedruckter Autor“ (Eberhard Adamzig). Viel mehr noch – er war ein ungelesener Autor und ein Meister des Wortes, dessen Lyrik von Kollegen wie Kurt Tucholsky hoch geschätzt wurde. Der neben Gedichten und Chansons auch vier großartige Romane schrieb.

 

Das Manuskript seines letzten Romans „Topographie einer Hölle“ ging vor der Veröffentlichung auf Mehrings Weg ins Krankenhaus verloren. Die, anhand der handschriftlichen Erstfassung, rekonstruierten Kapitel schildern ergreifend Berlin, Paris, Wien und Marseille als Unter-Weltstädte auf seiner Flucht vor den Nationalsozialisten. Der Roman beschreibt, wie Walter Mehring im Internierungslager Camp de Saint Cyprien landet, fliehen kann und endlich durch die Hilfe von Varian Fry und das Emergency Rescue Committee nach Amerika gelangt. Es ist eine eindringliche und fesselnde Innenansicht eines Flüchtlings vor der Barbarei.

 

Sven j. Olsson; in Hamburg geboren; seit 1982 in den verschiedensten Bereichen des Theaters tätig; leitet seit 2009 in Hamburg die Wohnungslosen-Theatergruppe „Hornköppe“ mit bisher vier Produktionen; seine Liebe zum Werk Walter Mehrings führte 2013 zur Dramatisierung des Romans „Müller. Chronik einer deutschen Sippe“, 2015 zum Arbeitsjournal „Eine Dramatisierung. Die verlorene Bibliothek“ und zum Programm „Viel-Mehr-Mehring“.

Eintritt: freiSpende erbeten

Dienstag, 10. Dezember 2019, 19:30 UHR

Zum 125. Geburtstag von Hans Henny Jahnn

Vortrag von Jan Bürger



Hans Henny Jahnn war Orgelexperte, Landwirt, Pazifist, Musikverleger und – vor allem – Schriftsteller. Er hat provoziert, obwohl er es nie darauf anlegte. Sein künstlerischer Eigensinn wurde als skandalös empfunden, seine Besessenheit rückte ihn in die Rolle des Außenseiters. Von Schriftstellern, Musikern und Künstlern als genialer Erneuerer des Romans verehrt, konnte er nie ein breites Publikum erreichen. In Vergessenheit geriet er dennoch nicht.

 

Zum 125. Geburtstag von Jahnn verknüpft Jan Bürger dessen Lebenswerk mit den Tendenzen seiner Zeit: Wie reagierte ein so origineller und auf Wirkung bedachter Künstler auf die Erschütterungen durch Kriege, politische Katastrophen und wissenschaftliche Revolutionen? Im Ersten Weltkrieg floh er aus Hamburg nach Norwegen. Nach der Rückkehr gründete er 1919 in der Lüneburger Heide die Glaubensgemeinschaft Ugrino und gewann 1920 mit dem Drama „Pastor Ephraim Magnus“ den Kleist-Preis. Mit Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Gustaf Gründgens und vielen anderen stand er in enger Verbindung.

 

Abb.: Hoffman und Campe

Jan Bürger, geb. 1968, ist Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Er arbeitet seit 2002 im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Wichtige Veröffentlichungen: "Der Neckar. Eine literarische Reise" (2013), "Benns Doppelleben oder wie man sich selbst zusammensetzt" (2006), "Der gestrandete Wal. Das maßlose Leben des Hans Henny Jahnn" (2003/2017).

Eintritt: freiSpende erbeten